„Anne und ich“ – eine Ausstellung über Identität und Gedenken

Im Rahmen der Projektwoche anlässlich des 60-jährigen Schuljubiläums des Anne-Frank-Gymnasiums entstand ein ganz besonderes Ausstellungsprojekt: „Anne und ich“. Entwickelt wurde das pädagogische Modul von der WEREmember-AG unter der Leitung von Herrn Brysch. Während der dreitägigen Projektwoche wurde das Konzept anschließend von Schülerinnen und Schülern ab der Jahrgangsstufe 8 mit der Unterstützung von Frau Buttkereit umgesetzt und gestaltet. Die feierliche Eröffnung der Ausstellung fand am 12. Juni 2026 statt – dem Tag, an dem unsere Namensgeberin Anne Frank 97 Jahre alt geworden wäre.

Im Mittelpunkt der Ausstellung stand nicht allein Anne Frank als historische Persönlichkeit, sondern die Frage, welche Bedeutung ihre Gedanken für unser eigenes Leben heute haben. Ausgangspunkt waren ausgewählte Zitate aus ihrem Tagebuch, die auf großformatigen Spiegeln angebracht wurden. Während die Besucherinnen und Besucher die Worte Anne Franks lasen, blickten sie gleichzeitig in ihr eigenes Spiegelbild. So entstand eine ganz persönliche Begegnung mit den Fragen nach Identität, Werten und dem eigenen Platz in unserer Gesellschaft.

Die Schülerinnen und Schüler beschäftigten sich während der Projekttage zunächst intensiv mit ihrer eigenen Identität. Ausgehend von Anne Franks berühmtem Satz „Lass mich ich selbst sein, dann bin ich zufrieden.“ setzten sie sich mit Fragen auseinander wie: Wer bin ich? Was macht mich aus? Welche Werte sind mir wichtig? Und wie möchte ich anderen Menschen begegnen? Im weiteren Verlauf wurde die Verbindung zwischen persönlicher Identität, Demokratie und gesellschaftlicher Verantwortung hergestellt. Die Ergebnisse dieser Auseinandersetzung flossen unmittelbar in die Gestaltung der Ausstellung ein.

Unter jedem Spiegel lagen Stoffbändchen mit dem jeweiligen Zitat bereit. Wer sich in einer Aussage wiedererkannte oder einen Gedanken mit in den Alltag nehmen wollte, konnte sich ein entsprechendes Bändchen als persönliche Erinnerung mitnehmen. So wurde aus der Ausstellung nicht nur ein Ort des Erinnerns, sondern auch ein Ort der Begegnung und der Selbstreflexion.

Ergänzt wurde die Spiegelausstellung durch die Wanderausstellung des Anne Frank Zentrums. Anhand von Fotografien, Dokumenten und Zeitzeugenberichten erhielten die Besucherinnen und Besucher einen eindrucksvollen Einblick in das Leben Anne Franks, die Geschichte ihrer Familie sowie die Verbrechen des Nationalsozialismus. Die historische Perspektive verband sich dadurch unmittelbar mit den persönlichen Erfahrungen der Ausstellung.

Wie eindrucksvoll die Ausstellung auf ihre Besucherinnen und Besucher wirkte, zeigen die Rückmeldungen der Klasse 7b:

„Sehr schön! Alle Zitate sind so besonders, dass es schwerfällt, sich für eines zu entscheiden. Man denkt lange darüber nach.“

„Die Idee mit den Spiegeln und den Lichtern ist richtig cool. Besonders gefällt mir, dass man ein Zitat mitnehmen kann.“

„Die Zitate sind interessant – und sie treffen wirklich zu. Die Atmosphäre hier ist etwas ganz Besonderes.“

„Ein Zitat hat sofort zu mir gepasst. Das habe ich direkt mitgenommen.“

„Die Atmosphäre ist sehr beeindruckend. Besonders das Zitat über die Hoffnung hat mich angesprochen.“

„Eine sehr kreative Idee, um über Anne Frank und sich selbst nachzudenken.“

Mit der Ausstellung „Anne und ich“ ist es gelungen, das Vermächtnis unserer Namensgeberin auf besondere Weise lebendig werden zu lassen. Sie zeigt eindrucksvoll, dass Anne Franks Gedanken auch heute nichts von ihrer Aktualität verloren haben. Die Ausstellung verbindet historische Erinnerung mit der Lebenswelt junger Menschen und macht deutlich, dass Demokratie, Vielfalt und Menschlichkeit dort beginnen, wo wir bereit sind, uns selbst und anderen mit Offenheit, Respekt und Empathie zu begegnen.

Text und Fotos: Johannes-Joachim Brysch, Jil Högele