Mit der diesjährigen Inszenierung von brachte der Literaturkurs der Q1 des Anne-Frank-Gymnasiums am 18. und 19. Juni 2026 in der Mensa des AFG ein eindrucksvolles Theaterstück auf die Bühne. Im Anschluss nahm das Ensemble mit seiner Produktion am Festival Junges Theater im Hilpert-Theater Lünen teil und präsentierte seine Arbeit dort einem größeren Publikum auf einer professionellen Theaterbühne.
Im Mittelpunkt des Stücks stand Alice, deren Leben nach einem tragischen Schicksalsschlag aus den Fugen geriet. In der Nervenheilanstalt Billerbeck verschwammen für sie die Grenzen zwischen Realität und Fantasie. Auf ihrer Reise durch das geheimnisvolle Anderland begegnete sie skurrilen Figuren, ihren Ängsten und den Schatten ihrer Vergangenheit. Während Ärztinnen und Ärzte versuchten, sie in die Wirklichkeit zurückzuholen, musste Alice ihren eigenen Weg finden.
Doch die Geschichte von Alice bildete lediglich den erzählerischen Rahmen für das eigentliche Anliegen des Literaturkurses. Von Beginn der Proben an verfolgten die Schülerinnen und Schüler das Ziel, mit ihrer Inszenierung auf die Bedeutung psychischer Gesundheit aufmerksam zu machen. Gerade für junge Menschen ist mentale Gesundheit ein Thema, das viele Lebensbereiche prägt und dennoch häufig mit Unsicherheit oder Vorurteilen verbunden ist. Das Theaterstück sollte deshalb nicht nur berühren und unterhalten, sondern vor allem zum Nachdenken anregen, Berührungsängste abbauen und Gespräche über psychische Erkrankungen fördern.
Ausgangspunkt der inhaltlichen Arbeit war die Überzeugung, dass psychische Gesundheit ein grundlegender Bestandteil des Menschenrechts auf Gesundheit ist. Dieser Gedanke zog sich als roter Faden durch die gesamte Inszenierung. Die Schülerinnen und Schüler setzten sich intensiv mit den Themen psychische Erkrankungen, Stigmatisisierung und gesellschaftliche Verantwortung auseinander und übersetzten diese in eindrucksvolle Szenen, starke Bilder und bewegende Dialoge.
Über viele Monate entwickelten sie ihre Rollen, gestalteten Szenen, Choreografien und Übergänge und schufen gemeinsam eine Inszenierung, die durch ihre emotionale Tiefe überzeugte. Atmosphärische Licht- und Toneffekte sowie das ausdrucksstarke Spiel des Ensembles ließen das Publikum tief in Alices Gedankenwelt eintauchen und machten ihre inneren Konflikte unmittelbar erlebbar.
Die Aufführungen in der Mensa des Anne-Frank-Gymnasiums wurden mit langanhaltendem Applaus belohnt. Mit der anschließenden Teilnahme am Festival Junges Theater im Hilpert-Theater Lünen erhielten die Schülerinnen und Schüler die Möglichkeit, ihre Arbeit auf einer großen Bühne zu präsentieren und sich mit anderen Literaturkursen auszutauschen.Für den Literaturkurs bedeutete „Alice im Anderland“ den Abschluss einer einjährigen gemeinsamen Arbeit. Entstanden ist eine Inszenierung, die eindrucksvoll zeigte, dass Theater weit mehr sein kann als Unterhaltung: Es kann gesellschaftlich relevante Themen sichtbar machen, Empathie fördern und Räume für Begegnung und Dialog schaffen. Mit ihrem Stück ist es den Schülerinnen und Schülern gelungen, ein wichtiges Zeichen für einen offenen und respektvollen Umgang mit psychischen Erkrankungen zu setzen. Damit wurde „Alice im Anderland“ nicht nur zu einer künstlerisch überzeugenden Aufführung, sondern auch zu einem eindrucksvollen Plädoyer für mehr Aufmerksamkeit, Verständnis und Menschlichkeit.







von Johannes-Joachim Brysch