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Anne-Frank-Gymnasium Werne

Doppelte Berufsberatung für die Jahrgangsstufe 9

Text und Bild von Julia Krickau, Janina Wiens (9d), Henrik Hermann (9b), Finja Franke und Lilly Bessel (9c)

 

Kurz vor den Osterferien, am 6. April, fand nach zweijähriger, pandemiebedingter Zwangspause endlich wieder der Werner Berufszirkel für die Schülerinnen und Schüler des AFG im Kolpinghaus statt:
Initiiert wird diese Veranstaltung von der Wirtschaftsförderung der Stadt Werne. 20 lokale und überregional tätige Unternehmen, von denen zahlreiche einen Kooperationsvertrag mit dem AFG abgeschlossen haben, präsentieren sich bei diesem Event und stellen den Jugendlichen vielfältige Ausbildungs- und Studienmöglichkeiten vor.
Das Besondere: die Schülerinnen und Schüler sind wie bei einem Speeddating für jeweils 10 Minuten an einem Stand. Dort erarbeiten sie eine praktische Übung, welche die Unternehmen individuell vorbereitet haben. Auf diese Weise wird ein niederschwelliger und ungezwungener Erstkontakt ermöglicht, von dem beide Seiten profitieren. Dass inzwischen auch AFG-Alumnis an einigen Ständen der Unternehmen vertreten sind, bestätigt den Erfolg dieses Veranstaltungskonzeptes.
Sowohl vor als auch nach dem Berufszirkel erhielten die Schülerinnen und Schüler viel Material, um sich selbständig über bestimmte Berufe näher zu informieren. „Es war eine tolle Erfahrung, um verschiedene Berufe kennen zu lernen.“ so Lara Scheer (9c).

Nach den Osterferien, am 28. April, fand nach zwei Jahren Onlineveranstaltungen der „Boys- und Girls-Day“ ebenfalls das erste Mal wieder in Präsenz statt. Die Idee hinter dem bundesweiten Aktionstag ist, dass sich Schülerinnen und Schüler über Rollenbilder bewusst werden, indem Jungen an diesem Tag in „typische Frauenberufe“ und Mädchen in „typische Männerberufe“ schnuppern. Hier ist ein Bericht der Presse dazu.

 

Erfahrungsbericht der Schülerin Janina Wiens (9d): 

Am 28.04.2022 habe ich meinen Boys and Girls Day vom letzen Jahr nachgeholt. Da mein Vater selbstständiger Gärtner ist, habe ich meinen Tag bei ihm in der Firma GalaBau WIENS verbracht.

An diesem Tag musste ich erst um 8:00 Uhr aufstehen, anders als meine Geschwister, welche zur Schule mussten. Nachdem ich mit meinen Eltern gefrühstückt hatte, machte ich die Tasche für die Mittagszeit fertig, da wir erst um ungefähr 16:30 Uhr nach Hause kommen würden. Anders als ich zunächst gedacht hatte, fuhren wir nicht sogleich nach Münster sondern luden die Ladefläche ab: Mein Vater lud Rollrasen ab und ich wickelte die Spanngurte auf. Erst dann führen wir, mittlerweile war es 09:45, los.
Nun fuhren wir mit LKW und Anhänger zu einer Firma, um Ersatzteile für eine Maschine zu kaufen. Von dort aus ging es weiter nach BAUSTOFF WOSCHICK, wo wir Betonplatten, Edelsplitt und Pflasterbettung kauften.
Endlich konnten wir nun zur gegenwärtigen Baustelle fahren. Die Bewohner des Hauses sind sehr nett und haben uns immer freundlich behandelt. Diese Baustelle ist etwas ganz Besonderes. Wo vorher ein Dschungel war an wilden Bäumen und nichts von einem Garten zu sehen war, hatten mein Bruder und mein Vater nun schon vorher alles gerodet, ein Hochbeet errichtet, einen Sandkasten gebaut, einen Sprudelstein gesetzt, Rollrasen verlegt, Sträucher und Bäume angelegt und ein Reck errichtet. Außerdem den Garten umzäunt und eine Trockenmauer gebaut. Heute war nun der Abschluss der Baustelle, was sich gut mit meinem Praktikum getroffen hat. Zunächst mussten noch um den Sprudelstein Steine gelegt werden und ein Loch für ein Sonnensegel ausgehoben, mit Beton gefüllt und das Rohr hinein gesteckt werden, wobei ich auch helfen konnte. Nach dem Mittagessen mussten wir die Bäume richten, Folie abschneiden und Kies auffüllen, was für mich als Laie gar nicht so einfach war. Danach räumten wir noch alles auf und fuhren dann nach Hause.
Während des ganzen Tages konnte ich beobachten, wie Gärtner bauen und Pflanzen und welche praktischen Fachgriffe sie haben.

 

Erfahrungsbericht des Schülers Henrik Hermann (9b):

Am 28.04.2022 absolvierte ich mein Boys&Girls Day Praktikum an der Technischen Universität (TU) Dortmund. In der Fakultät für Chemie und Chemische Biologie (CCB) konnte ich im Bereich der organischen Chemie im Arbeitskreis von Prof. Dr. Hansmann mein Praktikum durchführen.

Nach einer Sicherheitseinweisung und einer ausführlichen Einführung in die Gerätschaften des Labors begann mein Einblick in das Leben eines Chemikers. Zu Beginn wurde mir die Schutzgas-Chemie näher erklärt und unter Aufsicht meines betreuenden Doktoranden M. Amann setzten wir die ersten Reaktionen an. Hierbei handelte es sich um insgesamt drei sogenannte Dünnschichtchromatografie Reagenzien, mit denen sich verschiedene Stoffe anfärben lassen. In diesem Falle stellten wir Reagenzien für höhere Alkohole, Ketone, sowie Aminosäuren und Amine her, die für die weitere Arbeit wichtig waren.
Darüberhinaus durfte ich meinem Doktoranden bei der Verdampfung von Lösungsmitteln und Aufbereitung von Experimenten im Rahmen der Forschung an seiner Doktorarbeit helfen. Bereits nach nur wenigen Stunden im Labor wurde mir klar, dass sich die wissenschaftliche Arbeit hier sehr anstrengend, aber dennoch überaus interessant gestaltet. Auch wurde mir im Gespräch mit anderen Promovierenden verdeutlicht, dass der hohe Arbeitsaufwand und die langen Arbeitstage mit einem sehr großen Interesse an der Chemie tragbar sind.

Gestärkt durch eine Mittagspause in der Mensa erhielt ich am Nachmittag eine Einweisung in die NMR-Analytik (kernmagnetische Resonanzspektroskopie). In dieser gemeinsamen Forschungseinrichtung der Fakultät für Physik und der Fakultät für CCB werden Proben organischer Verbindungen analysiert. Durch starke Magnetfelder mit einer Protonen-Resonanzfrequenz von zwischen 300-1000MHz werden in den jeweiligen Spektrometern, dessen Anschaffungspreise je nach Ausführung bis zu 2 Millionen Euro betragen können, Strukturen und einzelne Atome in Stoffen nachgewiesen. Nach dieser spannenden Führung erhielt ich eine bedeutende Lehreinheit zum Thema „Chemisches Rechnen“ und führte letzte, zuvor begonnene, Experimente zu Ende. Als Abschluss des Tages gewann ich einen Einblick in die Röntgendiffraktometrie, die mit Röntgenstrahlung die Struktur und Größe von kristallinen Molekülen erfasst und den dreidimensionalen Aufbau jener Molekülen digital visualisiert.

Zusammenfassend kann ich sagen, dass mir das Praktikum ausgesprochen viel Spaß gemacht hat, ich spannende Dinge erfahren durfte und einen spektakulären Eindruck in die akademische Chemie erhielt. Dieser Tag hat mich in meinem Interesse an der Chemie durchaus gestärkt und ich kann mir gut vorstellen, vielleicht einmal als Chemiker in der Forschung zu arbeiten.

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