Digitale Medien und Computer prägen den Alltag von Kindern und Jugendlichen in einer Weise, die bis vor wenigen Jahren nicht vorstellbar war. Viele Kinder wachsen schon vor Eintritt in die Schule mit mobilen Geräten auf. Sie verbringen einen zunehmend großen Teil ihrer Zeit damit. Nach Eintritt in die Schule bringen sie die Geräte mit in die Schule und nutzen sie in den Lernpausen, um sich z.B. per Smartphone mit Gleichgesinnten auszutauschen. Dabei nutzen Jugendliche die neuen Medien eher als Kommunikationsmittel und Lifestyleprodukt.

In letzter Zeit ist eine fast unüberschaubare Menge an Programmen und Apps auf den Markt gekommen, die in praktisch allen Schulfächern die unterrichtliche Arbeit unterstützen. Bei deren Anwendung werden neben der Aneignung bestimmter Inhalte auch allgemein gültige Prinzipien des Umgangs mit Hard- und Software eingeübt und somit stellt die tägliche und selbstverständliche schulische Arbeit mit stationären oder mobilen Computern eine bedeutende Vorbereitung auf die Anforderungen von Studium und Beruf dar.

Zu den pädagogische Zielen des Anne Frank-Gymnasiums gehört es, junge Menschen so auszubilden, dass sie den hohen Anforderungen gewachsen sind, die Universitäten und die Berufswelt im Hinblick auf die Nutzung digitaler Medien an sie stellen. In diesem Prozess betrachten es die Kolleginnen und Kollegen als eine ihrer vordringlichen Aufgaben, ihren Schülerinnen und Schülern einen sinnvollen, effizienten und verantwortungsvollen Umgang mit neuen Medien beizubringen.

Im Gegensatz zur gelegentlichen Arbeit in einem Computerraum haben in einem Unterricht, in dem die Lehrperson und alle Lernenden über einen mobilen Computer, z.B. ein Tablet verfügen, die Möglichkeit, die Arbeit auf den individuellen Lernfortschritt abzustimmen, miteinander zu kommunizieren und an Projekten zusammen zu arbeiten. Im Arbeitsalltag ist diese Art der Teamarbeit gängige Praxis. Eine solche Arbeit in der Schule ist demnach geeignet, die Schülerinnen und Schüler auf ihr Erwachsenenleben in der digitalen Welt vorzubereiten.

Lehrerinnen und Lehrer können sich mittels digitaler Technologie aktiv an der Arbeit der Schülerinnen und Schüler beteiligen, dabei den exakten Fortschritt verfolgen und bei Bedarf helfend eingreifen. So wird der Forderung an Schulabgänger Rechnung getragen, dass sie eigenverantwortlich, selbstständig und kompetent mit dem Medium Computer als Arbeitsmittel umgehen können.

Als Erweiterung der Medienbildung und der unterrichtlichen Konzepte des Anne-Frank-Gymnasiums sollen ab dem Schuljahr 2014/15 alle Schülerinnen und Schüler, die neu in die Jahrgangsstufe 5 eintreten, mit Tablets ausgestattet werden. In den entsprechenden Klassen planen und gestalten die Lehrkräfte ihren Unterricht so, dass die Tablets in einer didaktisch und pädagogisch reflektierten Art und in angemessenem Umfang eingesetzt werden. Dabei soll der Einsatz der Tablets nicht zum Selbstzweck erfolgen. Vielmehr soll unterrichtlichen Kontexten, die es erfordern, die klassischen Kulturtechniken einzuüben, genügend Unterrichtszeit eingeräumt werden. Der Einsatz der Tablets wird dabei in Abhängigkeit von Alter und Kenntnisstand der Schülerinnen und Schüler gesteuert und inhaltlich wie methodisch sorgfältig geplant.

Vor diesem Hintergrund ist am Anne-Frank-Gymnasium entschieden worden, iPads für die schulische Arbeit anzuschaffen. iPads sind nach Auffassung der Entscheidungsgremien in besonderer Weise für den unterrichtlichen Einsatz geeignet, da sie in der Grundausstattung schon die erforderliche Software zur Recherche, Textverarbeitung, Tabellenkalkulation und Präsentation enthalten. Für die Geräte steht eine große Menge didaktischer Apps, die teilweise kostenlos bzw. für günstige Preise erhältlich sind, zur Verfügung. Die Bedienung von iPads erlaubt eine intuitive Herangehensweise. Somit sind die Geräte gerade auch für jüngere Schülerinnen und Schüler als Arbeitsmittel sinnvoll. Auf Grund einer kontinuierlichen, progressiven Nutzung von iPads bereits ab einem frühen Zeitpunkt innerhalb ihrer Schullaufbahn erhalten Schülerinnen und Schülern hohe Kompetenzen im Hinblick auf die oben genannten Anforderungen.

Die Möglichkeiten der iPads in Bezug auf ihren unterrichtlichen Einsatz ist äußert vielfältig und für unterrichtliche Prozesse überaus förderlich:

  • Wenn jeder Schüler über ein solches Gerät verfügt, hat er sehr individuelle Zugänge zu Lernquellen und Anschauungsmaterialien, die er sich entweder selbst auswählt oder die ihm die Lehrkraft an seine jeweilige Lernsituation angepasst zur Verfügung stellt.
  • Eine große Anzahl verfügbarer Bildungsapps ermöglicht Lernerfolgskontrollen, entweder durch die Schüler selbst in eigener Verantwortlichkeit oder durch die jeweilige Lehrperson gesteuert.
  • Schüler erhalten durch den Einsatz der iPads ein Höchstmaß individueller, kreativer Gestaltungsmöglichkeiten entweder für die Präsentation ihrer Unterrichtsergebnisse oder im Vorfeld vorbereiteter Referate. Alle Inhalte können bei Benutzung bestimmter Apps auch interaktiv gestaltet werden. Während der Präsentation können Korrekturen und Ergänzungen sofort in die Darstellungen mit eingearbeitet werden. Somit wird die Dynamik des Lernprozesses veranschaulicht und es wird deutlich, dass das iPad ein Whiteboard ersetzt.
  • Lehrer haben die Möglichkeit, Kurse mit bestimmten Lerninhalten für ganze Klassen, kleinere Lerngruppen oder auch einzelne Schüler zu entwickeln und sie über das Internet in einem gesicherten Bereich für sie bereitzustellen. Auf dem gleichen Wege erhalten die Lehrkräfte die Arbeitsergebnisse ihrer Schüler zurück. Dieses ermöglicht eine spezifische individuelle Förderung und ein hohes Maß an Kommunikation zwischen Schülern und Lehrperson.
  • Gerade iPads verfügen über ein hohes Maß an Vernetzungsmöglichkeiten, was den Datenaustausch zwischen allen beteiligten Personen schnell und unkompliziert macht. Dieses führt zu einer deutlichen Ökonomisierung der Arbeit.

Der tägliche Einsatz der iPads konfrontiert die Schüler sowie die Lehrpersonen immer wieder mit juristischen und ethischen Kontexten, die sie vor die Frage stellen, was sie tun dürfen, was verantwortbar bzw. sinnhaft ist. In diesem Zusammenhang fügt sich die Arbeit mit den iPads in das pädagogische Leitbild des Anne-Frank-Gymnasiums ein. Dieses orientiert sich am Schicksal der Anne Frank, deren Leben durch die Gewaltherrschaft des Dritten Reiches zerstört wurde. Die pädagogische Arbeit der Lehrerinnen und Lehrer des Anne-Frank-Gymnasiums leistet seit fast 50 Jahren einen Beitrag dazu, junge Menschen vielseitig zu bilden, sie aufzuklären, sie zu sensibilisieren und bei ihnen eine Toleranzbereitschaft zu entwickeln, die es gestattet, in einer pluralistischen Gesellschaft einvernehmlich zusammen zu leben. Da diese Gesellschaft aktuell vom Umgang mit digitalen Medien geprägt ist, fügt sich die Einführung der iPads als Arbeits- und Kommunikationsmittel im Unterricht in das pädagogische Leitbild des Anne-Frank-Gymnasiums vollends ein.


Konzeptionelle Umsetzung

In der Lehrerkonferenz, der Schulpflegschaft und der Schulkonferenz des Anne-Frank-Gymnasiums wurde das Konzept für den Einsatz von iPads im Unterricht mit großer Zustimmung angenommen. Die rasche Umsetzung des Projektes wurde dringend gewünscht, um den heutigen Anforderungen von Wirtschaft, Studium und Beruf an die künftigen Abiturientinnen und Abiturienten gerecht zu werden.

Der Förderverein mit seinen etwa 400 Mitgliedern begrüßt und unterstützt das Vorhaben, indem er sich an der Anschaffung der iPads mit erheblichen finanziellen Mitteln beteiligt.

Die Diskussionen in den Gremien machten wiederholt den hohen pädagogischen Stellenwert des Projekts deutlich. Sowohl in der Schulpflegschaft als auch in der Schulkonferenz wurde der Entwicklungsbedarf des Anne-Frank-Gymnasiums im Bereich der Digitalisierung betont.

Das entwickelte Konzept unterscheidet sich deutlich von dem anderer Schulen speziell in dem Punkt, dass die Schülerinnen und Schüler ihre individuellen iPads mit nach Hause nehmen und so im ständigen Umgang mit dem persönlichen Gerät erst umfassend alle Möglichkeiten des Lernens ausschöpfen können. Gerade hierin liegt der Unterschied zur Arbeit in herkömmlichen Computerräumen.

In den ersten Tagen nach den Sommerferien erhalten alle Schülerinnen und Schüler der Eingangsklassen 5 ein iPad, das teils von der Schule, teils von den Eltern finanziert wird. Mit der Ausgabe der Tablets beginnen drei Projekttage, in der die Schülerinnen und Schüler mit dem grundsätzlichen Umgang der Geräte vertraut gemacht werden. In dieser Zeit haben auch die Eltern die Gelegenheit, sich in der Schule mit Fachlehrkräften sachkundig zu machen für den heimischen Umgang mit den iPads. Das iPad wird jeden Tag in die Schule mitgebracht (mit der gleichen Selbstverständlichkeit wie ein Stift oder Heft) und im Unterricht auch benutzt, möglicherweise nicht jede Stunde, aber doch jeden Tag.

Die Klassen 5 erhalten pro Woche eine Stunde „Methodenlernen", in der sie den Umgang mit dem iPad dezidiert lernen, sowohl von der technischen Seite her als auch in Bezug auf die Handhabung der Programme. Dazu wird ein Lehrplan erstellt, der vorgibt, was die Schülerinnen und Schüler zu welchem Zeitpunkt können sollten.
In den Folgeklassen wird das schulinterne Medienkonzept altersgerecht fortgeführt.

Inhalte der Stunden im Bereich „Methodenlernen":

  • Rechte und Pflichten im Internet und in sozialen Netzwerken
  • Ordnerstrukturen anlegen
  • Digitale Heftführung
  • Grundfunktionen von Lernsoftware
  • Word/Textverarbeitung
  • Excel/Tabellenkalkulation
  • PowerPoint/Präsentationstechnik

Der Fachunterricht muss von den Basiskenntnissen der Programme entlastet werden, damit für die inhaltliche Arbeit keine Unterrichtszeit verloren geht.
Folgende Punkte unterliegen der Eigenverantwortlichkeit der Schüler:

  • Funktionsfähigkeit des iPads
  • Datensicherung
  • Vollständigkeit und Ordnung der Dateien (nach einem vorgegebenen System)
  • Lizenzierung eigener Anwendungen

Zielvereinbarungen und Arbeitsplanung

Vor den Weihnachtsferien 2014 sind alle Schülerinnen und Schüler des 5. Jahrgangs mit iPads ausgestattet worden. Direkt im Anschluss fanden drei Projekttage statt, während derer grundsätzliche Fähigkeiten vermittelt und elementare rechtliche Fragestellungen geklärt wurden (z.B.: Unter welchen Bedingungen darf ich ein Bild, das ich im Internet gefunden habe, für meine Arbeit verwenden?).

Das Kollegium arbeitet zur Zeit an der Weiterentwicklung der schulinternen Curricula im Hinblick auf die konzeptionelle Neugestaltung des Unterrichts mit den iPads als Hilfs- und Arbeitsmittel. Diese Arbeit fand unter anderem im Zusammenhang mit einer pädagogischen Fortbildungstagung am 28.10.2014 statt und wurde für die Jahrgangsstufen 5 und 6 bis zum 1.12.2014 beendet. Auf einer weiteren schulinternen Fortbildungsveranstaltung am 1.2.2015 soll die Arbeit an den schulinternen Lehrplänen bezüglich des iPad-Einsatzes fortgesetzt werden, so dass danach für die gesamte Sekundarstufe I verbindliche Unterrichtskonzepte zum Einsatz der iPads im Unterricht vorliegen.

Eine gezielte iPad-Schulung für alle Kolleginnen und Kollegen, die in der jetzigen Jahrgangsstufe 5 unterrichten, wurde am 1.12.2014 durchgeführt. Weitere intensive Schulungsmaßnahmen für das gesamte Kollegium sind in Planung und werden in regelmäßigen Abständen erfolgen.

In Absprache mit dem Schulträger ist festgelegt, dass die verschiedenen Trakte des Schulgebäudes des Anne-Frank-Gymnasiums innerhalb der nächsten drei Jahre nach und nach mit leistungsfähigem WLAN versorgt werden. Darüber hinaus werden Server in der Größenordnung installiert, dass mittel- und langfristig gesehen alle Schülerinnen und Schüler individuelle mit mobilen Computern im schulischen Netzwerk arbeiten und Daten speichern können.

Evaluation

Bei dem Projekt „Digitale Schule" handelt es sich um ein ehrgeiziges Unterfangen, das im Schuljahr 2014/15 in Angriff genommen wurde. Zum jetzigen Zeitpunkt sind alle Vorbereitungen für die Jahrgangsstufe 5 abgeschlossen und die Arbeit mit den iPads hat gerade begonnen.

In einer solchen Phase der Schulentwicklung ist es selbstverständlich, dass die neuen methodischen Möglichkeiten praktisch täglich evaluiert werden. Die Kolleginnen und Kollegen, die in den 5. Klassen unterrichten, arbeiten in dieser Hinsicht im Team zusammen. Sie stehen im ständigen engen kollegialen Austausch über Erfolge und eventuell auch Probleme im Zusammenhang mit der Arbeit an den iPads, der sie einerseits in die Lage versetzt, Bewährtes zu manifestieren oder auch kurzfristig Korrekturen vorzunehmen.

In regelmäßigen Abständen werden die Fachlehrkräfte der 5. Klassen auch zusammen mit ihren Schülerinnen und Schülern über ihre Arbeit mit den iPads in der Lehrerkonferenz berichten und somit ihre Erfahrungen dem Kollegium verfügbar machen.

Stand: 20.12.2014